Während ich des Nachts Weihnachtsbäume umkreiste und Wanzen mit Kombucha fing, gesellten sich drei Testosterönchen mit Boombox zu meinen Träumen. Einmal pro Minute hörte man einen männlichen Nachbarn seiddochverdammtnochmalruhigjetzt-pfeile abschießen, war ja nun auch schon drei Uhr morgens.

Die jungen Menschen allerdings, hielt das nicht davon ab mit ihrem Kofferradio die Wertherstr. hoch und runter zu laufen. Vorzugsweise genau vor meinem Fenster. Oder Fenstern, denn wie jeder weiß, gehört die Wertherstraße mir. Abgesehen von dem Nachbarn, der wohnt im Bedienstetenhaus und ich kenn den gar nicht.

Während ich also mit meinem Hermelin im Südfenster saß und dem Pöbel zuwonk auf das er aufhöre zu spielen, fiel mir auf, dass das Gesamtbild dieser Situation durch die Art der Musik aus der mobilen 3Mann-Disko gestört wurde. Schließlich habe ich niemandem erlaubt vor meinem Anwesen Manowar zu spielen und dazu zu…singen. Musikalisch-männliche Hormone in Hochpotenz verträgt mein königliches Gemüt sehr schlecht ohne in hysterisches Lachen oder Betroffenheitsmimik zu verfallen, zumal ich ganz automatisch weichgezeichnete Bilder von lederbehosten Männern mit Schwertern und hilflosen Frauen im Arm produziere, die ich nicht sehen will.

Im Grunde ist Hairmetal doch das maskuline Äquivalent zu romantischen Schmierblättchen und das ist zu viel für mein Erbsengemüt.

Als ich also dort an meinem Fenster saß und mit meinem Mont Blanc Notizen in mein Studienheftchen machte und dabei sehr schlau aussah und immer nickte und blinzelte wenn mir eine neue Idee kam, verschwanden die drei jungen Männer in einem mysteriösen Nebel der von dem kaputten Auspuff eines verschrammelten Opel Corsa produziert wurde und das Gebrülle langhaariger Primaten verstummte langsam. Inzwischen war mir mein Krönchen ins Gesicht gerutscht und ich hatte Schwierigkeiten mich unter dem Gewicht von meiner Fensterbank aufzurichten.

Hairmetal kann nicht gesund sein.

So nun sitze ich hier in meiner nahezu blank geräumten alten Wohnung und schreibe auf meinem improvisierten Schreibtisch den letzten Blogeintrag in der Turnerstraße. Vermutlich ist es der Turnerstraße sogar ziemlich schnuppe was hier so abgeht, ich wollte sie dennoch in meinen Beschreibungen nicht außer acht lassen.

Dabei höre ich Musik die ich schon lange nicht mehr gehört habe und versuche mich an den Gedanken zu gewöhnen dass sich schon wieder alles verändert.  Oder besser, dass sich seit dem letzten Jahren alles in Bewegung befindet und ich mich nicht mal um die eigene Achse drehen kann, ohne dass irgendetwas maßgebliches passiert.

Irgendwann bildete ich mir ein dass es Stabilität sei die ich anstrebe. Sicherheit, Geborgenheit, Stetigkeit. Aber dann wachte ich auf, nur um festzustellen, dass es all das gar nicht gibt.  Zumindest noch nicht.  Deswegen bin ich nun hier und versuche die Veränderung und den Wechsel zu umarmen, ihnen über den Kopf zu streichen und ihnen klar zu machen, dass sie ganz schön prima sind.

Wozu falsche Lebenskonzepte aufrecht erhalten, nur weil sie irgendwelchen Dogmen entsprechen, hm?

Langsam gewöhne ich mich daran eine Suchende zu sein und auch daran, dass ich eben nie finden werde wenn ich nicht aufstehe.

Und deswegen möchte ich hier feststellen, dass jeder Mist im Leben mich weiter gebracht hat. Immer wieder, mit Verlässlichkeit.

So viel Optimismus hätte ich mir am Tag vor meinem Umzug gar nicht zugetraut.  Und auch wenn ich jetzt lieber jemandem beim Auflegen zugucken würde um mich im Rahmen dessen zu betrinken, stattdessen aber Geschirr aussortiere und mich ärgere dass mir alles weh tut, schicke ich ein paar positive Schwingungen in die Welt.

Prost! und Küsse.

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