Das wollte ich immer schon mal sagen.

Abi 2007

Juni 5, 2007

Seit gestern bin ich nahezu Abiturient. Nahezu weil ich ‘nur’ Fachabitur gemacht habe. Und ganz offiziell ist es auch erst am 14., dann bekomme ich feierlich das Zeugnis überreicht. Juhu. Dieses Schuljahr war sowohl lehrreich als auch schrecklich ermüdend. Lehrreich auch eher was die Vorhergehensweise von Lehrkräften angeht, als auf den Inhalt bezogen.

Was habe ich mich aufgeregt, und hell yeah!, das kann ich gut.

„Moment“, denken sich sicherlich einige, „die Frau ist doch mindestens schon 30!“ „Ja!“ sag ich dann, und fuchtele ein bißchen umher, weil ich noch zwei Jahre Zeit habe, aber es ja auf’s gleiche hinausläuft. Das war nämlich meine Endgrenze, die 30. Bis dahin wollte ich wenigstens ein Studium angefangen haben. Und so wird es sein. So habe ich mich, entgegen meiner bisher eher grafisch orientierten Karriere, dazu entschieden, Soziale Arbeit zu studieren. Öfter mal was Neues. Auch ersichtlich aus meinem sich bisher im Zick-Zack zu lesenden Lebenslaufes.

Aber inzwischen fühle ich mich damit völlig Okay. Vor zwei Jahren noch war es mir unsäglich peinlich, dass ich bisher „nichts gebacken“ bekommen habe. Nur Fachoberschulreife! (ich habe ja auch meinen Realschulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg gemacht, aber das ist eine andere Geschichte) Schließlich war ich häufiger Arbeitslos, weil ich mir mit Mediengestalterin einen ziemlich hochfrequentierten Ausbildungsberuf ausgesucht hatte und genau in eine Ausbildungsreform hineingeschlittert war. Den Firmen war es kaum möglich nur anhand der Ausbildungsbescheinigung, die damit verbundene Qualifikation zu erkennen. Weil ja alle Jugendlichen bitte bitte eine Ausbildung bekommen sollten, durfte plötzlich jeder Metzger der seine Verkaufsschilder selbst herstellt, Mediengestalter ausbilden. Dennoch hatte ich Glück, die Werbeagentur in die ich kam war super. Und so war ich vermutlich auch ausreichend qualifiziert als ich das ganze abgeschlossen hatte. Leider brachte das nicht den gewünschten Erfolg, denn die Agenturen konnten sich zwischen Millionen gestrandeter Mediengestalter und studierter Grafiker, herauspicken wen sie denn gerne in ihren Reihen haben wollten. Das Ergebnis des Ganzen waren ganz schrecklich viele hochqualifizierte Arbeitslose; das nenne ich mal eine erfolgreiche Reform.

Wie dem auch sei, bei meiner Bildungs-Odyssee in der ich auf diverse inkompetente Quarknasen verschiedenster Stellen geraten bin, wurde schnell eines deutlich. „Einfach gibt’s nicht“ In meiner grenzenlosen Naivität, ging ich davon aus, dass es kein Problem darstellen würde sein Abitur nun auf dem zweiten Bildungsweg zu machen. HAH!

Für Version 1. war ich zu jung.
Für Version 2. zu alt.
Für Version 3. zu ausgebildet.
Für Version 4. war ich zu Arbeitslos.
Für Version 5. war ich zu arm.

Und für Version 6. war ich dann irgendwann zu frustriert.

Nun aber, mit 28, fast Abitur und einer Menge sozialkritischer Frustration im Gepäck, fühle ich endlich so als hätte ich noch eine kleine Stufe geschafft und der Dämon des ewigen Loser-Images würde vielleicht endlich etwas von mir weichen.

Trotzdem verbrachte ich den gestrigen Tag damit, mich darüber aufzuregen, dass durch die Doppelgewichtung willkürlicher Hauptfächer (in meinem Fall vor allem Mathe) ich nun nicht mehr Jahrgangsbeste, sondern nur zweitbeste bin. Erstes hätte mir ein kleines Stipendium gesichert, womit ich vielleicht die Studiengebühren hätte bezahlen können. Ich weiß aber auch, dass es sich nicht lohnt sich darüber aufzuregen, dass ausgerechnet die beiden Fächer in denen ich zufällig keine 1 habe, plötzlich doppelt gezählt werden. So komme ich von einem grandiosen NC von 1,2 auf eine weniger grandiose 1,42…und damit bin ich aus dem Spiel. (natürlich reg ich mich auf, aber ich weiß ja was sich gehört) Gäbe es die Doppelgewichtung nicht, hätten die zu Recht und verdienterweise Jahrgangsbeste und ich, den gleichen Durchschnitt.

Aber sich über verpasste Chancen aufregen ist auch gleichzeitig absurd, denn das habe ich schon viel zu lange gemacht. Und da kämpfe ich gerade mit mir, laufe in meinem Kopf auf und ab und summe Beruhigungs-Mantras, weil es mich natürlich stört, dass so eine seltsame Regelung dazu führt, dass alle anderen Hauptfächer die wir weniger als drei Doppelstunden in der Woche hatten, dort nicht mit einfließen.

Denn ich könnte wirklich ein Stipendium oder eine Unterstützung gebrauchen.

Jetzt aber erstmal alles abschütteln, weitermachen und nicht herumflennen…weil man muss ja voran kommen und sich nicht aufhalten lassen um irgendwann mal dort anzukommen wo man hin möchte (MACHENMACHENMACHEN!1!!).

Und wenn ich mir dazu Unmengen von Geld leihen muss, dann soll das eben so sein. Und ganz vielleicht schaffe ich es auch, ein bißchen stolz auf mich zu sein, weil ich ja letztendlich doch ziemlich gute Leistung gebracht habe, auf meine alten Tage.

Wenn da nicht mein perfektionistischer Ehrgeiz wäre.

Aber ein bißchen traurig bin ich schon. Denn ich mag keine Willkürlichkeiten. Denn der Satz der mich als Kind schon mit verlässlicher Sicherheit in einen Wutanfall katapultierte war: „weil das eben so ist!“ Das ganze Programm, mit auf der Stelle herumtrampeln und meine Stimmbänder bis zu ihren Grenzen ausreizen.

Sehr langsam gewöhne ich mich daran. Ich trampele auch nicht mehr auf der Stelle und schreie meine Mitmenschen zu Brei, was schon ein kleiner Fortschritt ist.

Ich arbeite daran.

Heute passendes Zitat

Juni 4, 2007

Meine Chefin sagte einmal :“Der Teufel scheißt immer auf den gleichen Haufen“

Ich glaub ja, sie hat recht.