Gerade eben entdeckte ich bei Paul einen Hinweis auf „das Model und der Freak“ welches bei Pro7 ausgestrahlt wird. Das Konzept ist einfach wie simpel: Zwei Models, bzw. relativ attraktive Frauen, modifizieren zwei „Freaks“, kleiden sie neu ein, gehen zum Friseur und geben ihnen Nachhilfe in korrektem Balzverhalten. Die vermeintlichen Freaks sind zumeist irgendwelche Männer die sich am ehesten durch Andersartigkeit und der damit verbundenen Einsamkeit auszeichnen. Dass sie sich dabei der völligen Lächerlichkeit preisgeben, muss vermutlich nicht erwähnt werden.

Natürlich geht es dabei nicht darum „das beste aus dem Typ“ herauszuholen, nein. Es geht darum in 20Minuten einen massenkompatibel konformen Typen zu generieren, der seine Persönlichkeit auf der Strecke lassen muss, um Erfolg bei den Ladies zu haben. Nun scheint es überhaupt so zu sein, dass die möglichst einfache Einordnung in diese bestimmte Schublade ein Garant für ein erfolgreiches Liebesleben ist. Stellt sich mir doch die Frage, welchen positiven Effekt das auf die Probanden hat.

Sicherlich profitiert jemand, der sich vor allem durch modische Fehlleistungen auszeichnet, davon eine Beratung zu bekommen, die ihm hilft sich besser darzustellen, aber hierbei handelt es sich nicht um eine Typenberatung, sondern um einen Anpassungskatalog. Übrigens bin ich die Letzte die sagt das Aussehen spiele keine Rolle, im Gegenteil. Aber genau das ist es doch, wenn ich vor einem Typen stehe dessen Bild nach Außen nicht von ihm selbst, sondern fremdbestimmt ist, wie soll ich dann noch wissen mit wem ich es zu tun habe? Attraktivität mag ja laut verschiedener Studien ein auf Alle anwendbares System sein, aber was man wirklich als „das besondere Etwas“ empfindet, sind doch gerade die Dinge die eben nicht im Attraktivitätskatalog stehen.

Das Aussehen eines Menschen ist ein Spiegel der Vorstellung von Anderen. Seit einiger Zeit laufen mir Massenweise Menschen über den Weg die aussehen als haben sie sich im „Indie-Emo-Rockabilly 24Stunden-shop“ eingekleidet. Sterne, Totenköpfe und Kirschen mögen vielleicht einmal Ausdruck einer bestimmten Szene gewesen sein, sind jetzt aber nur noch ein Teil des pseudoindividualistischen Einheitsbreis der Modeindustrie. Was aber drücke ich denn bitte damit aus, wenn ich beim tanzen in einem Club vier andere Mädchen sehe die den gleichen Sternchenkapuzenpulli anhaben wie ich?

Genau, Nix.

Man versucht ein Bild zu formen, man möchte akzeptiert werden von Menschen die man vielleicht Cool findet, also passt man sich an. Die Anpassung geht nur inzwischen so weit, dass man nicht mehr am Aussehen erkennen kann mit wem man es nun zu tun hat. In Zeiten in denen es Rock-Gitarren-Anhänger in der Bravo als Gimmick gibt, die Menschen vorm Café Europa die gleichen Klamotten anhaben wie die im AJZ und Indie einen Großteil der Charts ausmacht, wären die Maßnahmen zur Andersartigkeit vermutlich auch ziemlich radikal.

Klar schadet es nicht, jemandem der sich überhaupt keine Sorgen um sein Aussehen macht, zu sagen, dass er sich in regelmäßigen Abständen die Haare waschen sollte, um andere Menschen nicht zu verschrecken. Aber Menschen brauchen doch diese oberflächlichen Offensichtlichkeiten um zu wissen ob man mit dem Gegenüber etwas anfangen kann. Und wenn ich eben ein Tontechniker bin, der Kompositionen aus seinen Rülpsern herstellt und Mickymauspullis trägt, finde ich vielleicht, wenn ich dazu stehe, auch irgendwann eine Frau die das total super findet.

Passe ich mich also an und bestelle mir ein „normiertes Idealbild-Kit“, stelle ich vielleicht am Ende fest, dass ich damit die falschen Leute anziehe.

Dann aber, ist vielleicht auch der richtige Moment gekommen, an dem ich meinen Micky-Maus-Pulli wieder aus dem Schrank hole.

 

 

65daysofstatic

Juni 1, 2007

Heute Abend im Forum, tolle Band,  blöder Bandname.

Hat so einen  „16jährige-emokinder-retorten-agressions“-Beigeschmack

Meine Musikreviews waren auch schon besser, aber ich kann ja morgen noch eines schreiben ;)