We won!
Juli 1, 2007

Mmmmh. Tee! Nachdem ich erfolgreich das Schlafdefizit eines/einer sehr amüsanten Freitag-Abends/Nacht ausgeglichen habe, was bedeutet dass ich von Freitag auf Samstag lediglich 2, von Samstag auf Sonntag aber fast 11 Stunden geschlafen habe, sitze ich wieder in gewohnter Pose an meinem Schreibtisch und führe einen Litereimer Earl Grey an meine Lippen. Earl Grey hätte ich vermutlich nie probiert, wenn nicht Captain Jean-Luc Picard ihn immer getrunken hätte. Das waren in seinem Fall zwar nur replizierte Stoffwechselreste, in meinem aber handelt es sich um handgepflückten mit Bergamotte-Aroma versetzten Schwarztee, der mir schon so manchen Morgen gerettet hat. Vor c.a. 12 Jahren also, sagte mir mein damaliger Gastrologe, dass ich doch lieber keinen Kaffee mehr trinken sollte, damit mein aufkeimendes Magenproblem sich nicht manifestiert. Zu dem Zeitpunkt nämlich war ich schon seit drei Jahren handfest Kaffeesüchtig und stand kurz vor der Überlegung, ob ich morgens vielleicht auf die Tasse verzichten könnte und lieber gleich auf eine intravenöse Zufuhr des schwarzen Goldes umsteigen solle. Der erste Schritt war dann, dass ich meinen Kaffee fortan mit Milch versetzt zu mir nahm, weil ich davon ausging, dass das Milchfett meine Magenwände ausreichend auskleiden würde als dass der böse Herr Magensäure keine Chance mehr hätte. Im reifen Alter von 15 Jahren musste ich mir dann meine Unbelehrbarkeit eingestehen und mich den strafenden Blicken meines Arztes stellen – also: Teeeee.
Was liegt also einem von Nerd-Tätigkeiten geprägten Teenager näher als dann auf die Tee-Sorte zu kommen, die auch der favorisierte Enterprise-Captain regelmäßig zu sich nimmt. (Make it so!)
Ich bin also ein Nerd, überdies auch noch ein Geek und habe mich vor allem durch meine bestechende Uncoolness ausgezeichnet als ich ein Kind war. Ich hatte eine Brille die mehr als ein Drittel meines Gesichtes einnahm, schlimme Kleidung, Freunde die genau so aussahen wie ich und sich mit mir vor allem deswegen trafen, weil ich die geilste YPS-Gimmick-Sammlung von allen hatte. Als ich begann zu pubertieren da beneidete ich die ganzen hübschen Rabaukenkinder, von denen ich glaubte es stände Ihnen auf alle Zeit der Himmel offen. Erst viele Jahre später fiel mir auf, genau die, von denen ich dachte sie würden die Weltherrschaft durch ihre unbestechlich einnehmende Art als Kind übernehmen, arbeiteten jetzt in bester Trainingshose in der Videothek ihrer Eltern, haben mit 19 geheiratet, sparen sich die letzten Krümel Videotheken-Geld ein damit sie ihren Golf ins Verderben tunen können und haben längst aufgegeben. Von Coolness keine Spur mehr. Die „Anderen“ aber, also „Wir“, sind die wahren Herrscher der Stilprägung und Lebensführung. Oder wie ich es aus dem Vorwort von „Courtney Crumrin and the Night Things“ entnehmen kann:
„We’ve formed our own tribes, and as far as I can see, we, the geeks, won.
Leider weiß man das noch nicht, wenn man Pickel ausdünstend und überflüssige Hormone ausschüttend, Zeit damit verbringt sich möglichst adäquat anzupassen.
Inzwischen habe ich es aber kapiert, wir rocken und werden das auch weiterhin tun.
Nicht so viel nachdenken
Juni 19, 2007
Grundgütiger! GRUNDGÜTIGER!
Immer lauter werdend brüllte sich die Frau, die Hände über den Kopf schlagend, ihren Weg zu mir frei. Als ich dort stand, hilflos in ihre Richtung blickend, meine Arme sinnlos neben dem Körper baumelnd, weil ich keine Zigarette zur Hand hatte, fiel mir auf dass ich heute Morgen vergaß die Teekanne von meinem Kopf zu entfernen, was möglicherweise ein Grund für das auffällige Verhalten der jungen Frau darstellte.
Also entfernte ich eben jene und stellte sie sachte neben mich, immer noch darauf bedacht, mögliche Auffälligkeiten zu vermeiden.
Himmel! HIMMEL! Rief sie mir entgegen. Ein weiterer christlicher Ausruf schnellte in meine Richtung und ich wurde langsam unruhig.
Sollte es vielleicht die Erdnussbutter sein, die ich heute als Sonnencremeersatz benutzte? Oder gar das rote Geschenkband um meine Brüste, zumal sich mein Büstenhalter noch in der Wäsche befand als ich das Haus verließ. Auch könnten es die Brötchentüten sein, die mir heute als Ersatz meiner Schuhe dienten. Wobei ich damit wirklich appetitlich roch.
Kruzidingensjesusirgendwas! Brüllte es.
Ich drehte mich, immer noch leicht baumelnd und verunsichert um meine eigene Achse und stellte mich zur Sicherheit auf ein Bein, um noch weniger aufzufallen. Die kreischende Frau in dem Lodenmantel mit dem Dackel an der Leine kam immer noch auf mich zugehechtet.
Nun wusste ich nicht mehr woran es liegen könnte ihre Aufmerksamkeit zu erlangt zu haben, hatte ich mir doch gestern extra die Haare Grün gefärbt und mir eine glänzendes Stück Frühstücksspeck auf den Bauch tätowieren lassen.
Als ich so unauffällig wie möglich auf einem Bein stand und mir einen Finger in mein Ohr steckte um die Balance zu halten, lief die Frau an mir vorbei, und ihr Gebrülle hinterher.
Beinahe hätte sie den Bus verpasst, und ich machte mir dabei die ganze Zeit unnötige Gedanken über mein Aussehen! Somit stand ich dort noch eine Weile, zwirbelte an meinem selbst gemachten Spaghetti-Rock und nahm mir vor, nicht mehr so viel über mich nachzudenken.
Mal was altes
Juni 18, 2007
So, damit meine alten Sachen nicht verschütt gehen, werde ich hier ab und an mal was posten, wenn es mir in die Stimmung passt.
Heute dies:
Der Tag schrie ihn an, er wolle lieber ungestört bleiben und er solle ihn gefälligst in Ruhe lassen als der Wecker klingelte.
Da er die Unhöfichkeit des anbrechenden Morgens bereits gewohnt war, beschloss er dem nervtötenden Chartsgejaule aus seinem Radiowecker mit einem kunstvoll routinierten Wurf in eben jene Richtung, ein jähes Ende zu bereiten.
Der Tag brüllte immer noch und drohte damit kein Ende nehmen zu wollen, ließe er ihn nicht in Frieden. Die Stirne kräuselnd, bewusst zu erst mit dem rechten Fuß aus dem Bett bewegend, ignorierte er ihn erst und ballte dann die Faust und preschte gen Himmel: „Komm du nur du Tag! Ich zeige dir schon was du davon hast, dein Ende ist gewiss, es ist ja nicht das erste Mal!“
Langsam die Arme senkend, trottete er aufgewühlt in die Küche um seine Kaffeemaschine anzugucken, in der Hoffnung, seine telekinetischen Fähigkeiten hätten sich in der Nacht so weit entwickelt, dass er sich nicht bewegen müsste um seine Koffeinzufuhr zu sichern.
Der Tag allerdings, saß inzwischen auf seiner Schulter und rappte einen Track von 50cent, als ihm auffiel, dass der Wecker durch das Kissen nicht erstickt wurde und nun mit lebensbejahender Fröhlichkeit auf und ab zu wippen schien.
Das Telefon klingelte, aber er war immer noch damit beschäftigt die Kaffemaschine anzustarren. Als er das schwache elektrostatische Summen der Steckdose als vermeintlichen telekinetischen Erfolg deutete, setzte sich eine französische Blauschimmelkäse-Fliege in seine Blickrichtung und berichtete ihm, dass er heute nicht arbeiten müsse, weil ein Kunde abgesprungen sei. Er wanderte durch die Küche in das Wohnzimmer und stellte den Anrufbeantworter ab um sich in direktem Wege wieder in sein Bett zu legen.
Der Tag, der ihn in den letzten drei Minuten lieb gewonnen hatte, grunzte wohlig und machte es sich zusammengerollt auf einem Kissen gemütlich. Herr H. wuschelte seinen Kopf in die Decken und grunzte ebenfalls. Guter Tag, sagte er. Und schlief ein.