Mal was altes

Juni 18, 2007

So, damit meine alten Sachen nicht verschütt gehen, werde ich hier ab und an mal was posten, wenn es mir in die Stimmung passt.

Heute dies:

Der Tag schrie ihn an, er wolle lieber ungestört bleiben und er solle ihn gefälligst in Ruhe lassen als der Wecker klingelte.

Da er die Unhöfichkeit des anbrechenden Morgens bereits gewohnt war, beschloss er dem nervtötenden Chartsgejaule aus seinem Radiowecker mit einem kunstvoll routinierten Wurf in eben jene Richtung, ein jähes Ende zu bereiten.

Der Tag brüllte immer noch und drohte damit kein Ende nehmen zu wollen, ließe er ihn nicht in Frieden. Die Stirne kräuselnd, bewusst zu erst mit dem rechten Fuß aus dem Bett bewegend, ignorierte er ihn erst und ballte dann die Faust und preschte gen Himmel: „Komm du nur du Tag! Ich zeige dir schon was du davon hast, dein Ende ist gewiss, es ist ja nicht das erste Mal!“

Langsam die Arme senkend, trottete er aufgewühlt in die Küche um seine Kaffeemaschine anzugucken, in der Hoffnung, seine telekinetischen Fähigkeiten hätten sich in der Nacht so weit entwickelt, dass er sich nicht bewegen müsste um seine Koffeinzufuhr zu sichern.

Der Tag allerdings, saß inzwischen auf seiner Schulter und rappte einen Track von 50cent, als ihm auffiel, dass der Wecker durch das Kissen nicht erstickt wurde und nun mit lebensbejahender Fröhlichkeit auf und ab zu wippen schien.

Das Telefon klingelte, aber er war immer noch damit beschäftigt die Kaffemaschine anzustarren. Als er das schwache elektrostatische Summen der Steckdose als vermeintlichen telekinetischen Erfolg deutete, setzte sich eine französische Blauschimmelkäse-Fliege in seine Blickrichtung und berichtete ihm, dass er heute nicht arbeiten müsse, weil ein Kunde abgesprungen sei. Er wanderte durch die Küche in das Wohnzimmer und stellte den Anrufbeantworter ab um sich in direktem Wege wieder in sein Bett zu legen.

Der Tag, der ihn in den letzten drei Minuten lieb gewonnen hatte, grunzte wohlig und machte es sich zusammengerollt auf einem Kissen gemütlich. Herr H. wuschelte seinen Kopf in die Decken und grunzte ebenfalls. Guter Tag, sagte er. Und schlief ein.

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