The hourglass

Juni 29, 2007

Nun habe ich wieder einen funktionierenden Fernsehempfang, schalte frohgemut den Fernseher an und was läuft? Popstars. Der erste Gedanke der sich mir dazu bildete war: „lief das nicht eben erst?“ und der zweite „scheiße, das ist schon wieder ein Jahr her!“

Während ich dort also saß und mehr oder minder talentlosen hupfdohlen beim schwadronieren zusah und mich dabei zum wiederholten und nicht enden wollenden Male fragte, wer denn so was sehen will, fing ich an über mein Zeitempfinden nachzudenken.

Erinnert ihr euch noch an die Dauer der Sommerferien, als ihr klein wart? Meist war das ja so: Entweder man hatte Glück und verbrachte die meiste Zeit der sich ewig ziehenden Sommerferien mit seinen Eltern in einer Ferienanlage in einem Teilstück Europas, oder bei seinen Großeltern auf dem Land, oder man hatte Pech, die Eltern kein Geld und man hing zu Hause herum, und malte Strichmännchen auf seine Tapete. Letzteres traf auf mich zu, zum Abschluss der Grundschule zumindest hatte ich eine beachtliche Strichmännchen-Kollektion auf meiner Ewok-Tapete.

So nervtötend vibrierend-nervös auch die Zeit war in der man auf die Sommerferien wartete, so zähflüssig waren die Ferien dann, als sie endlich kamen. Als ob man um ein Zeitlupen-Stundenglas tanzte und den Körnern beim Fallen zugucken konnte. Meilensteine meiner Kindheitserlebnisse spielten sich in den wiederkehrenden 6 Wochen des Ausharrens ab. Heute allerdings frage ich mich, wie das denn alles in dieser kurzen Zeit passieren konnte. Stellt man sich die Zeit in der man sich bewegt als Tunnel vor, so scheint sich dieser Tunnel mit zunehmendem Alter zu verjüngen. Spätestens wenn man das fünfundzwanzigste Lebensjahr erreicht hat, ist der Rangierradius innerhalb des Tunnels so klein, dass man kaum noch alles erledigen kann, bevor man zum nächsten Checkpoint kommt. Ich werde also von Jahr zu Jahr und von Popstarsstaffel zu Popstarsstaffel immer überraschter sein wie kurz die Abstände dazwischen werden, weil ich immer noch von kindlichem Zeitempfinden geprägt bin.

Heute male ich also keine Strichmännchen, sondern Space-Invaders auf meine Tapete, brauche aber dafür gefühlte vier Jahre, bevor ich einen davon fertig gestellt habe.

Dank undefinierbarer Bauchschmerzen und des dazugehörigen Untersuchungsmarathons, waren meine kreativen Ergüsse die letzten Tage eher eingeschränkt. Dafür habe ich jetzt selbst gemalte Space-Invaders an der Wand, weil ich immer anfange irgendwas zu bemalen wenn ich mich ablenken will. Die sehen zwar extrem undigital aus, weil ich schon als Kind immer eine schlechte Note in Malen hatte, wenn es darum ging innerhalb der Linien zu malen, aber dennoch hübsch bunt. Vielleicht male ich noch ein paar, dann ist die Invasion authentischer. Jetzt habe ich überdies schon wieder vergessen was ich eigentlich schreiben wollte, hoffe aber dass es mir im Laufe des Schreibens an sich, wieder einfällt.

 

Da ich die letzten Tage…(Wochen, Monate…) viel zu viel Zeit hatte und unter diesen Umständen an chronisch frustrierter Vereinsamungs-Kreativität leide,  habe ich jeden einzelnen Gedankengang der mir je durch den Kopf ging ein weiteres Mal durchdacht und neu abgelegt. Unter anderem überlegte ich gestern was ich denn eigentlich mal werden wollte als ich Klein war und mir fielen mindestens 43.000 Berufswünsche ein, an denen ich nun nicht mal annähernd dran bin.

Mein absoluter Nummer 1 Traumberuf, der sich mit zirka 5 Jahren heraus kristallisierte, war Wissenschaftler. Natürlich völlig ohne konkrete Idee davon was denn das nun bedeutete, aber die Vorstellung mit wirren Haaren in einem Labor zu stehen und Phiolen mit bunten Flüssigkeiten zu schütteln und dabei schlau auszusehen und vielleicht noch ein paar Knöpfchen zu drücken, gefiel mir sehr gut. 

Später dann, so ungefähr als ich 6 Jahre alt wurde, wollte ich Dinosaurier-Forscherin werden. Dabei war ich sehr von billigen Disney-Tv-Produktionen geprägt und dachte, in einem Labor zu stehen und an futuristischen Lasergeräten zu stehen und Dinosaurierknochen mit 3D-Technik zu rekonstruieren gehöre dazu, genau wie Zeitmaschinen und eben jene auch zu benutzen.

Als ich 8 Jahre alt war, ging ich davon aus, dass ich einmal eine berühmte Kinder-Lexikon-Autorin würde. Schließlich konnte ich ja schon schreiben, und die Lexika die ich immer geschenkt bekam, fand ich immer sehr doof.

Meine Profession als überragender Klugscheißer wusste ich auch nicht besser unterzubringen.

Dann irgendwann folgte die Vorstellung Malerin zu werden sei eine echte Alternative zu meinen bisherigen Berufswünschen. Meine vorhin erwähnte Unfähigkeit innerhalb vorgegebener Linien zu malen allerdings, machte dieser Planung allerdings ein jähes Ende.

Als ich 14 war, wollte ich dann Grafik-Design studieren, dieser Berufswunsch wechselte sich mit Atom-Physikerin und Neurologin ab. Die beiden letzten Berufsbilder habe ich den Büchern „eine kurze Geschichte der Zeit“ von Stephen Hawking und „Der Mann der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ von Oliver Sacks zu verdanken.

Als sich das mit der Atomphysik dank spektakulär schlechter Noten in meinen Gehirnwindungen verlief, blieben nur noch Neurologie und Grafik-Design übrig.

Leider flog ich dann von der Schule, was bedeutete, dass ich mir etwas neues überlegen musste. Inzwischen war ich auch schon alt genug um zu wissen dass ich niemals Dinosaurier-Forscherin werden würde und machte eine Ausbildung, womit ich am Grafik-Design noch am Nächsten war.

Jetzt bin ich allerdings schon wieder so weit, dass ich die Idee Wissenschaftlerin zu werden total prima finde.
Ich werde eben nie erwachsen.

Und was wolltet ihr mal werden?

Hasiputzi

Juni 25, 2007

Uargh, meine neuen Zähne sehen aus wie Teil einer Halloween-Kostümierung.

Nachdem man mich nunmehr wieder als Tageslichttauglich bezeichnen kann, und dies in diesem Falle keine verzweiflungsbeschreibung eines mittelmäßig aussehenden Singles in einer Kontaktanzeige ist, war ich gestern, trotz anderer Menschen, bei einer Lesung des Punkromans für die besseren Kreise.

Oliver Maria Schmitt und die Einmann-Punkband Sedlmeir, gaben ihr bestes dem leider nicht sehr zahlreich, aber dafür begeisterten Publikum „die Scheiße aus dem Rückgrat zu rocken“

Ich empfehle das Buch hiermit wärmstens. Denn ich war auch mal Punk. Oder sowas ähnliches, als ich 13 war. Und jeder dem es genau so geht, wird wehmütig Seite um Seite seiner lang vergangenen Attitüde hinterherlachen.

Kaufen!

Edit:  Ich lag gerade schlafend im Bett und wachte schweißgebadet auf, weil mir plötzlich klar wurde dass ich tatsächlich „Rückrad“ geschrieben habe.

Rückgrat! ich meinte RÜCKGRAT!

Herrje.

Sehr interessant ist es, bei McDonalds einen Big Mac zu bestellen und danach nach Besteck zu fragen.

Wenn man sich den Luxus erlauben kann, dann nehmt euch vorher auch noch die Schneidezähne heraus und wiederholt den Wunsch nach dem Besteck ungefähr 5. Mal, bis die nette Mitarbeiterin versteht was ihr wollt.

Den Rest des Aufenthaltes könnt ihr euch dann von Vorbeilaufenden beobachten lassen, wie ihr verzweifelt versucht, einen in fertige Häppchen zerlegten Burger direkt zu euren Backenzähnen zu transportieren.

8 Überflüssigkeiten

Juni 20, 2007

Nach dem Nonsens von gestern, mal wieder was handfestes. Ich bin von Denis mit einem Stöckchen gepiekt worden und soll nun 8 Dinge über mich schreiben. Mache ich jetzt auch. Aber Nonsens werde ich trotzdem weiteschreiben, da gibt es kein Entkommen.

  1. Ich bin viel zu Rücksichtsvoll.
  2. Wenn Menschen zu langsam reden, verlieren meine Gedanken den Anschluss und sorgen dafür dass ich nicht mehr hinhöre. Außerdem fällt es mir selbst sehr schwer langsam zu sprechen, weil ich dann zwischendurch vergesse was ich sagen wollte. Ich durfte auch nie vorlesen in der Grundschule ;(
  3. Ich kann mit meinen Augen quietschen. Und mit beiden Augen getrennt sehr lustig schielen.
  4. Wenn ich sitze, muss ich immer mit den Händen, oder Füßen irgendwo drauf herumtrommeln. Und wenn nicht, dann mindestens zappeln.
  5. Ich kann in sämtlichen Gegenständen andere Dinge sehen und erkennen und habe insgesamt eine sehr ausgeprägte Fantasie.
  6. Manchmal muss ich Worte mehrmals wiederholen, weil sie mir absurd komisch vorkommen, und dabei lachen. Das hält manchmal Stunden an. Manchmal ist es auch die Melodie eines Satzes die mich zum lachen bringt.
  7. Ich mache in Gesprächen die Mimik meines Gesprächspartners nach ohne es zu merken.  Aber nur ein bißchen.
  8. Ich kann mir 7 Filme hintereinander angucken ohne die Lust daran zu verlieren.

Ein bisschen seltsam bin ich ja schon.

So, weil das Tradition ist gebe ich das Stöckchen weiter an: Luca und  Lars

für den Rest bin ich zu faul die Links einzufügen, und sicher habt ihr das Stöckchen ohnehin schon bekommen.

Grundgütiger! GRUNDGÜTIGER!

Immer lauter werdend brüllte sich die Frau, die Hände über den Kopf schlagend, ihren Weg zu mir frei. Als ich dort stand, hilflos in ihre Richtung blickend, meine Arme sinnlos neben dem Körper baumelnd, weil ich keine Zigarette zur Hand hatte, fiel mir auf dass ich heute Morgen vergaß die Teekanne von meinem Kopf zu entfernen, was möglicherweise ein Grund für das auffällige Verhalten der jungen Frau darstellte.

Also entfernte ich eben jene und stellte sie sachte neben mich, immer noch darauf bedacht, mögliche Auffälligkeiten zu vermeiden.

Himmel! HIMMEL! Rief sie mir entgegen. Ein weiterer christlicher Ausruf schnellte in meine Richtung und ich wurde langsam unruhig.

Sollte es vielleicht die Erdnussbutter sein, die ich heute als Sonnencremeersatz benutzte? Oder gar das rote Geschenkband um meine Brüste, zumal sich mein Büstenhalter noch in der Wäsche befand als ich das Haus verließ. Auch könnten es die Brötchentüten sein, die mir heute als Ersatz meiner Schuhe dienten. Wobei ich damit wirklich appetitlich roch.

Kruzidingensjesusirgendwas! Brüllte es.

Ich drehte mich, immer noch leicht baumelnd und verunsichert um meine eigene Achse und stellte mich zur Sicherheit auf ein Bein, um noch weniger aufzufallen. Die kreischende Frau in dem Lodenmantel mit dem Dackel an der Leine kam immer noch auf mich zugehechtet.

Nun wusste ich nicht mehr woran es liegen könnte ihre Aufmerksamkeit zu erlangt zu haben, hatte ich mir doch gestern extra die Haare Grün gefärbt und mir eine glänzendes Stück Frühstücksspeck auf den Bauch tätowieren lassen.

Als ich so unauffällig wie möglich auf einem Bein stand und mir einen Finger in mein Ohr steckte um die Balance zu halten, lief die Frau an mir vorbei, und ihr Gebrülle hinterher.

Beinahe hätte sie den Bus verpasst, und ich machte mir dabei die ganze Zeit unnötige Gedanken über mein Aussehen! Somit stand ich dort noch eine Weile, zwirbelte an meinem selbst gemachten Spaghetti-Rock und nahm mir vor, nicht mehr so viel über mich nachzudenken.

So ein medizinischer Lagebericht folgt.

Meine Schwellung ist sehr weit zurück gegangen, habe zwar immer noch etwas hamsterige Backen und einen Mund wie Chiara Ohoven, tröste mich aber damit dass andere Menschen Geld bezahlen um so auszusehen. Meine Augen gucken wieder normal und unverschwollen aus meinem Gesicht und die blaue Verfärbung darunter ist auch fast weg.  Mein Zahnarzt begrüßte mich etwas erstaunt mit der Frage, wann denn die Implantation gemacht worden sei, denn das Abschwellen ginge nun doch enorm schnell und starke Blutergüsse und geschwollene Gesichter seien nicht allzu selten. Hab ich aber beides nicht so sehr, haha! Ich gebe mir noch zwei Tage, dann sieht man sicher nichts mehr. Die künstlichen Zähne allerdings, werde ich erst ab nächste Woche tragen dürfen, das heißt, dann kann ich auch endlich wieder unter Menschen. Hier wird es auf Dauer doch ein wenig langweilig.

Ich bedanke mich hiermit bei mir selbst, weil ich immer so prima heile.

Wenn die Fäden draußen sind werde ich wohl ein paar Monate ausharren bis die eigentlichen Zähne drauf kommen, aber das werde ich auch noch aushalten.  Schmerzen habe ich keine. Abgesehen davon dass ich es spüre wenn ich atme, an der Stelle an der mir Knochen entnommen wurde, aber das wird auch heute noch bei meinem Chirurgen geklärt. Vermutlich nicht ganz verschlossen, wohoo!

Over and out.

Mal was altes

Juni 18, 2007

So, damit meine alten Sachen nicht verschütt gehen, werde ich hier ab und an mal was posten, wenn es mir in die Stimmung passt.

Heute dies:

Der Tag schrie ihn an, er wolle lieber ungestört bleiben und er solle ihn gefälligst in Ruhe lassen als der Wecker klingelte.

Da er die Unhöfichkeit des anbrechenden Morgens bereits gewohnt war, beschloss er dem nervtötenden Chartsgejaule aus seinem Radiowecker mit einem kunstvoll routinierten Wurf in eben jene Richtung, ein jähes Ende zu bereiten.

Der Tag brüllte immer noch und drohte damit kein Ende nehmen zu wollen, ließe er ihn nicht in Frieden. Die Stirne kräuselnd, bewusst zu erst mit dem rechten Fuß aus dem Bett bewegend, ignorierte er ihn erst und ballte dann die Faust und preschte gen Himmel: „Komm du nur du Tag! Ich zeige dir schon was du davon hast, dein Ende ist gewiss, es ist ja nicht das erste Mal!“

Langsam die Arme senkend, trottete er aufgewühlt in die Küche um seine Kaffeemaschine anzugucken, in der Hoffnung, seine telekinetischen Fähigkeiten hätten sich in der Nacht so weit entwickelt, dass er sich nicht bewegen müsste um seine Koffeinzufuhr zu sichern.

Der Tag allerdings, saß inzwischen auf seiner Schulter und rappte einen Track von 50cent, als ihm auffiel, dass der Wecker durch das Kissen nicht erstickt wurde und nun mit lebensbejahender Fröhlichkeit auf und ab zu wippen schien.

Das Telefon klingelte, aber er war immer noch damit beschäftigt die Kaffemaschine anzustarren. Als er das schwache elektrostatische Summen der Steckdose als vermeintlichen telekinetischen Erfolg deutete, setzte sich eine französische Blauschimmelkäse-Fliege in seine Blickrichtung und berichtete ihm, dass er heute nicht arbeiten müsse, weil ein Kunde abgesprungen sei. Er wanderte durch die Küche in das Wohnzimmer und stellte den Anrufbeantworter ab um sich in direktem Wege wieder in sein Bett zu legen.

Der Tag, der ihn in den letzten drei Minuten lieb gewonnen hatte, grunzte wohlig und machte es sich zusammengerollt auf einem Kissen gemütlich. Herr H. wuschelte seinen Kopf in die Decken und grunzte ebenfalls. Guter Tag, sagte er. Und schlief ein.

Gerade eben entdeckte ich bei Paul einen Hinweis auf „das Model und der Freak“ welches bei Pro7 ausgestrahlt wird. Das Konzept ist einfach wie simpel: Zwei Models, bzw. relativ attraktive Frauen, modifizieren zwei „Freaks“, kleiden sie neu ein, gehen zum Friseur und geben ihnen Nachhilfe in korrektem Balzverhalten. Die vermeintlichen Freaks sind zumeist irgendwelche Männer die sich am ehesten durch Andersartigkeit und der damit verbundenen Einsamkeit auszeichnen. Dass sie sich dabei der völligen Lächerlichkeit preisgeben, muss vermutlich nicht erwähnt werden.

Natürlich geht es dabei nicht darum „das beste aus dem Typ“ herauszuholen, nein. Es geht darum in 20Minuten einen massenkompatibel konformen Typen zu generieren, der seine Persönlichkeit auf der Strecke lassen muss, um Erfolg bei den Ladies zu haben. Nun scheint es überhaupt so zu sein, dass die möglichst einfache Einordnung in diese bestimmte Schublade ein Garant für ein erfolgreiches Liebesleben ist. Stellt sich mir doch die Frage, welchen positiven Effekt das auf die Probanden hat.

Sicherlich profitiert jemand, der sich vor allem durch modische Fehlleistungen auszeichnet, davon eine Beratung zu bekommen, die ihm hilft sich besser darzustellen, aber hierbei handelt es sich nicht um eine Typenberatung, sondern um einen Anpassungskatalog. Übrigens bin ich die Letzte die sagt das Aussehen spiele keine Rolle, im Gegenteil. Aber genau das ist es doch, wenn ich vor einem Typen stehe dessen Bild nach Außen nicht von ihm selbst, sondern fremdbestimmt ist, wie soll ich dann noch wissen mit wem ich es zu tun habe? Attraktivität mag ja laut verschiedener Studien ein auf Alle anwendbares System sein, aber was man wirklich als „das besondere Etwas“ empfindet, sind doch gerade die Dinge die eben nicht im Attraktivitätskatalog stehen.

Das Aussehen eines Menschen ist ein Spiegel der Vorstellung von Anderen. Seit einiger Zeit laufen mir Massenweise Menschen über den Weg die aussehen als haben sie sich im „Indie-Emo-Rockabilly 24Stunden-shop“ eingekleidet. Sterne, Totenköpfe und Kirschen mögen vielleicht einmal Ausdruck einer bestimmten Szene gewesen sein, sind jetzt aber nur noch ein Teil des pseudoindividualistischen Einheitsbreis der Modeindustrie. Was aber drücke ich denn bitte damit aus, wenn ich beim tanzen in einem Club vier andere Mädchen sehe die den gleichen Sternchenkapuzenpulli anhaben wie ich?

Genau, Nix.

Man versucht ein Bild zu formen, man möchte akzeptiert werden von Menschen die man vielleicht Cool findet, also passt man sich an. Die Anpassung geht nur inzwischen so weit, dass man nicht mehr am Aussehen erkennen kann mit wem man es nun zu tun hat. In Zeiten in denen es Rock-Gitarren-Anhänger in der Bravo als Gimmick gibt, die Menschen vorm Café Europa die gleichen Klamotten anhaben wie die im AJZ und Indie einen Großteil der Charts ausmacht, wären die Maßnahmen zur Andersartigkeit vermutlich auch ziemlich radikal.

Klar schadet es nicht, jemandem der sich überhaupt keine Sorgen um sein Aussehen macht, zu sagen, dass er sich in regelmäßigen Abständen die Haare waschen sollte, um andere Menschen nicht zu verschrecken. Aber Menschen brauchen doch diese oberflächlichen Offensichtlichkeiten um zu wissen ob man mit dem Gegenüber etwas anfangen kann. Und wenn ich eben ein Tontechniker bin, der Kompositionen aus seinen Rülpsern herstellt und Mickymauspullis trägt, finde ich vielleicht, wenn ich dazu stehe, auch irgendwann eine Frau die das total super findet.

Passe ich mich also an und bestelle mir ein „normiertes Idealbild-Kit“, stelle ich vielleicht am Ende fest, dass ich damit die falschen Leute anziehe.

Dann aber, ist vielleicht auch der richtige Moment gekommen, an dem ich meinen Micky-Maus-Pulli wieder aus dem Schrank hole.