„geh mir aus den Augen!“
April 14, 2007
Als ich heute das erste Mal die Augen aufschlug, war es nervtötend frühe 8:20. Das Vorhaben in den Ferien auszuschlafen wurde also zum wiederholten Male von einer verwirrend glücklich machenden Sonne überschattet die schon den halben Weg auf meinem Bett hinter sich hatte. Sofort zu bemerken auch heute Morgen, waren die Geräusche und die Stimmen und die Gerüche die Schlag Frühling plötzlich so körperlich offensiv waren, dass selbst im Schutze meiner Bettdecke und mit geschlossenen Fenstern, keine Möglichkeit bestand die säuberlich antrainierte Ignoranz zu pflegen. Inzwischen ist es 17:00 und ich habe keinen Schritt nach draußen getan, mich parallel dazu mit einem schlechtem Gewissen geplagt weil die mühsam indoktrinierten Worte meiner Mutter „Menschenskind, Kind es ist so schönes Wetter geh doch mal raus“ immer noch zwischen meinen Sorgen und Alltäglichkeiten herumschwirrten und mich ganz gaga machten. Dabei habe ich doch wirklich andere Sorgen, einen quasi unüberwindbaren Haufen ebenselbiger sogar. Aber diese verdammte Sonne und die ausgeschütteten Endorphine lassen mich in einen Zustand der versteinerten Lethargie verfallen. Das ist der gleiche Effekt wie wenn man zu viel Kaffee trinkt…eigentlich sollte es ja beleben, nach einer Weile jedoch, durchsickert den Kopf eine wässrige Müdigkeit obwohl der Körper weiterzittert und versucht dich rhythmisch davon zu überzeugen, dass da ja aber so viel Action wäre in die man sich stürzen müsse.
Die Sonne schreit :“verdammte Hacke, das Leben ist grandios! Und mein Kopf schreit: „Geh mir aus den Augen du Produktionsstätte irrationaler Fröhlichkeit!“ Also sitze ich alle 10 Minuten wieder auf der Fensterbank um meinem schlechten Gewissen wenigstens etwas Einhalt zu gebieten. Und all diese wirklich, wirklich schrecklichen Sorgen und Probleme um die ich mich eigentlich kümmern sollte- bzw. über die ich nochmals nachdenken sollte, die finden einfach keinen Zugang. Als würden mir die UV-Strahlen die Fähigkeit des destruktiven Denkens nehmen. Und zwar so sehr, dass ich nicht mal mehr Mitleid mit mir haben kann und mir diesen schreckliches Zustand des „nicht traurig sein Könnens“ verbalisieren muss, weil mir sonst nichts Besseres einfällt und ich dabei die ganze zeit ausgehöhlt vor mich her lächle.
Ich werde mich nun wieder auf die Fensterbank setzen, und wenn das dann immer noch nicht aufgehört hat und ich meine kiffereske Leichtigkeit nicht loswerde, obwohl ich doch eigentlich ein paar ernste Gespräche und Monologe oder umgekehrt halten sollte, dann stelle ich mich auf die Straße und mache Drohgebärden. Irgendjemand wird sich sicher angesprochen fühlen. Und wenn das nicht hilft, dann kauf ich mir ein Bier und setze mich irgendwo nach draußen, Probleme wälzen wäre dann auf Morgen verschoben.