I know where you sleep.
Juli 1, 2009
Während ich des Nachts Weihnachtsbäume umkreiste und Wanzen mit Kombucha fing, gesellten sich drei Testosterönchen mit Boombox zu meinen Träumen. Einmal pro Minute hörte man einen männlichen Nachbarn seiddochverdammtnochmalruhigjetzt-pfeile abschießen, war ja nun auch schon drei Uhr morgens.
Die jungen Menschen allerdings, hielt das nicht davon ab mit ihrem Kofferradio die Wertherstr. hoch und runter zu laufen. Vorzugsweise genau vor meinem Fenster. Oder Fenstern, denn wie jeder weiß, gehört die Wertherstraße mir. Abgesehen von dem Nachbarn, der wohnt im Bedienstetenhaus und ich kenn den gar nicht.
Während ich also mit meinem Hermelin im Südfenster saß und dem Pöbel zuwonk auf das er aufhöre zu spielen, fiel mir auf, dass das Gesamtbild dieser Situation durch die Art der Musik aus der mobilen 3Mann-Disko gestört wurde. Schließlich habe ich niemandem erlaubt vor meinem Anwesen Manowar zu spielen und dazu zu…singen. Musikalisch-männliche Hormone in Hochpotenz verträgt mein königliches Gemüt sehr schlecht ohne in hysterisches Lachen oder Betroffenheitsmimik zu verfallen, zumal ich ganz automatisch weichgezeichnete Bilder von lederbehosten Männern mit Schwertern und hilflosen Frauen im Arm produziere, die ich nicht sehen will.
Im Grunde ist Hairmetal doch das maskuline Äquivalent zu romantischen Schmierblättchen und das ist zu viel für mein Erbsengemüt.
Als ich also dort an meinem Fenster saß und mit meinem Mont Blanc Notizen in mein Studienheftchen machte und dabei sehr schlau aussah und immer nickte und blinzelte wenn mir eine neue Idee kam, verschwanden die drei jungen Männer in einem mysteriösen Nebel der von dem kaputten Auspuff eines verschrammelten Opel Corsa produziert wurde und das Gebrülle langhaariger Primaten verstummte langsam. Inzwischen war mir mein Krönchen ins Gesicht gerutscht und ich hatte Schwierigkeiten mich unter dem Gewicht von meiner Fensterbank aufzurichten.
Hairmetal kann nicht gesund sein.
love rhymes with hideous car wreck
Juni 29, 2009
8:15 Montag Morgen.
Der Wechsel von surreal reizüberflutetem Wochenende zu studentischer Arbeitswoche vollzog sich ohne meinen Einfluss. Jetzt steh ich erstmal hier, vor dem gelben Montag und weiß nicht so recht, was ich um diese Uhrzeit überhaupt mit ihm anfangen soll.
Abgesehen davon schmeckt mein Kaffe nach Katzenstreu, oder zumindest so wie ich mir vorstelle dass Katzenstreu schmecken müsste. Aber Kieselerde ist sicherlich ungefähr das Gleiche wie Katzenstreu und davon bekommt man Glitzerhaare und Stahlfingernägel.
Fühle mich schon deutlich Attraktiver.
Außerdem dachte ich kürzlich, ich hätte Zwitscherkäfer auf meinem Schreibtisch. Leider war’s nur ausgelaufene Batteriesäure in meiner Maus, sonst ständ’ ich jetzt im Brockhaus als Pionier der Zwitscherkäferforschung.
Als alter Sozialklaus habe ich natürlich auch andere Hobbies als Zwitscherkäferforschung, zum Beispiel mache ich mir den ganzen Tag Gedanken darüber, wie man andere Menschen am besten begreift, weil mir das zuweilen ein Rätsel ist. Aber ich mag ja Rätsel.
Es gibt nämlich Personen, die haben es nicht so mit Kommunikation. Diese Grundfähigkeit scheint sich zumindest dann komplett auszuschalten, sobald es um Herzensdinge und andere schwer zu beschreibende Gefühlszustände geht. Da meldet man sich mal lieber erstmal nicht mehr, oder versucht zumindest den Anschein zu erwecken, dass eh alles grenzwertig großartig sei, um Komplikationen zu vermeiden. Und während diese Personen sich dann um Kopf und Kragen reden oder schweigen, weil sie das am besten können und man selbst bei dem Spiel mitmacht, weil man genau so unfähig ist, sich das aber nicht eingestehen kann …dann hat man ein Problem. Überhaupt scheint es im Zwischenmenschlichen ganz oft darum zu gehen der Dinge einfach zu verharren, Unklarheiten auszuhalten und sich in Geduld zu üben. Geduld wiederum ist aber nicht so meins. Von mir aus können die Dinge auch völlig scheiße laufen und alles völlig katastrophal zerbrochen sein, solange ich weiß woran ich bin, komme ich klar. Die ganze Zeit im Wollwaschschonprogramm zu rotieren macht doch bekloppt. Oder in meinem Fall: Bekloppter.
Ich gehe nun ins Bad um eine angeregte Unterhaltung mit den Silberfischen zu führen.
I am fucking Ibiza.
Juni 21, 2009
Was wollte ich sagen? ach ja, genau. Heute fehlt mir die Kraft mich theatralisch zu Boden zu werfen und mich lauthals über den Pöbel auszulassen. Somit nutze ich die Funktion des Sonntags an sich und mache zur Abwechslung mal gar nichts. Abgesehen von der künstlerischen Produktion, aber das zählt ja im Neoliberalismus nicht. Stattdessen zählt mein durch Schlaflosigkeit heute nicht so zauberhaftes Aussehen auf dem Weg zum Erfolg. Andererseits seh ich dann wenigstens nicht mehr aus wie 23 und Erfolg, den hab ich Sonntags auch noch nie gesehen.
Jetzt hab ich schon wieder den Faden verloren.
Was solls, ich geh den mal im Bettchen suchen.
Einige Gedanken des Tages
Mai 11, 2009
Eine halbe Stunde Nichtstuend herumsitzen und Gedanken mitschreiben. Es folgt ein Auszug aus meinem Kopf:
- Das korpulente Mädchen mit der schwarzen Kleidung guckt mich immer an als sei ich ihre Nemesis.
- Rund ist gut, Eckig ist nicht gut. Dabei gibt es gar kein Rund. Schade eigentlich.
- Die Fingernagelkunst dieser Frau sieht aus als habe sie jemandem frische Wunden ausgekratzt.
- Ich bin höchst modisch-neurotisch.
- Ausgeblichen getöntes rotes Haar, wahlweise Dreadlocks und/oder Cordhosen, sind ein Zeichen von Alternativität. Schleierhaft.
- Der Gesichtsausdruck meiner Dozentin macht mir Schuldgefühle.
- Menschen die mich heute darauf aufmerksam gemacht haben, dass ich immer so einen interessanten Kleidungsstil habe: 3
- Das türkische Paar klingt so als wären sie kurz davor sich gegenseitig umzubringen, ich bin sicher sie haben sich nur zum Essen verabredet.
- Wenn man sich bei jemandem bedankt, derjenige dann mit “dafür nich’” antwortet und man dann die Gegenfrage: “wofür denn dann?” stellt, sorgt das für Verwirrung.
- Filzwesten, Nickelbrillen, kontinuierliches ungefragtes Nicken und Birkenstocksandalen machen dich nicht zum Sozialarbeiter.
- Ob Kassiererinnen wohl eine graphologische Grundausbildung haben? Beim Vergleich meiner Unterschrift auf der Quittung zu der auf der Karte ist bisher noch niemandem aufgefallen wenn ich mit “Kim Yong Il” unterschrieben habe.
- So viele mit denen ich mich im ersten Semester gut verstand und nun grüßt man sich nicht mal mehr. Schade.
- Es erfüllt mich jedes Mal mit extatischer Freude, wenn Wetter.de vermeldet: “der von Ihnen gesuchte Ort 33615 Bielefeld, wurde in unserer Datenbank gefunden!”
Schierer Wahnsinn. Wirklich. - Aus dem Wort Siegfriedplatz lassen sich unter anderem folgende Worte bilden: Geist, drei, Geiz, Pfeil, frei, Zelt, Tal, Freigeist, Greis, Salz, Friede, Lade, Falz, Seife, Gisela, Satz, Feile, patzig, Ideal, Feige, Reis.
- Es gibt kaum etwas, das Eiscreme nicht heilen kann. Kühler Herzkleber.
- Wir sehen alle gleich aus.
- Ambiguitätstoleranz, my ass.
- Ich sehe heute aus wie meine Mutter. Um 1962.
- Ich suche keinen Mann, aber mich darf gerne einer finden.
- Am besten einer, der schöne Kleidung trägt.
- Der Tonfall meiner Dozentin macht mir auch Schuldgefühle.
- Ich mache heute Kötbullar.
Lobhudelei
April 13, 2009
Viel Sonne, viele Menschen, viel Frühling und viel Musik.
Auch wenn ich mich bisher eher scheu gab was das präsentieren kreativer Auswüchse angeht, hab ich jetzt einen Künstleraccount bei Myspace.
Auch weil ich dann mal beende was ich anfange.
So höret und kommentiert, auf dass ich mich freue:
blaues Band
April 9, 2009
Heute Morgen stand ich um 8.00 auf, trank Kaffee, duschte, kollidierte mit gut gelaunten Mitbewohnern in der Küche, machte mich fertig, fuhr in die FH und stellte fest, dass ich völlig umsonst dort hin gefahren war.
Natürlich war das meine eigene Schuld, weil ich von den 400.000000Mails die bei mir pro Tag über den FH-Verteiler ankommen im Schnitt ungefähr so ziemlich gar keine lese. Dort war nämlich haarklein aufgeführt das ein Großteil meiner Seminare erst am 16.04 beginnt, somit hat offenbar jeder Dozent seinen persönlichen Rhythmus.
Aber der Tag war nun schon aufgerissen und stand kaugummikauend vor mir und streckte sich, weit und breit kein Student sichtbar den ich schonmal gesehen hätte. Also setzte ich mich auf eine Bank, hakelte unsicher in meiner Tasche herum damit es nicht so aussieht als hätte ich keine Freunde und guckte aphathisch.
Das kann ich nämlich sehr, sehr gut… wird allerdings schnell langweilig.
Aber weil ich so ein Action-Seeker bin, machte ich eine extreme-bahnfahringtour mit der wilden 4 zum Siegfriedplatz um dort weiterhin aphathisch zu gucken. Das mögen die Menschen an den Gemüseständen allerdings nicht so gern und ich fühlte mich dazu gezwungen ganz viele Sachen zu kaufen, um nicht erklären zu müssen warum ich nun zum 8.mal vor dem Fischwagen stehe und mir Forellen ansehe.
Jetzt habe ich Lachs und Chillies und Zitronen, Thymian, frischen Knoblauch, Butterkartoffeln und kein Geld mehr.
Dafür fahre ich jetzt gleich wieder auf gut Glück in die FH.
Man könnte meinen, ich hätte sonst nix zu tun.
Langsam aber sicher treibt die Sonne mir auch meine sonst im übermaß innewohnende Melancholie aus und hinterlässt mich ohne sie wie ein hyperaktives, gelangweiltes Kind. Dafür finde ich plötzlich wieder manche Männer interessant und hinterfrage den Frühling und seine Ambitionen daher gleichermaßen.
So, genug Alltagsgedöns für heute.
Ich geh mich jetzt verlieben oder was essen. Mal gucken.
*fuchtel*
April 2, 2009
Die Sonne. Der große, gelbe, dicke, provozierende Quell nicht enden wollender Glückseligkeit.
Wäre sie ein Mensch, würde sie mir jeden Frühling in die Wange kneifen um festzustellen, dass ich immer noch nicht größer geworden bin und mir danach mit einem angespuckten Stofftaschentuch den Schlaf aus den Augen wischen. Und nachdem sie mir noch ein paar mal auf dem Kopf getätschelt hätte, schöbe sie ihren mächtigen Hintern in die Küche um mir eine Rhabarber-Sahnetorte aufzutischen, obwohl ich ihr schon tausendmal gesagt habe, dass ich die nicht mag.
Danach müsste ich mit ihr Rosamunde Pilcher-Verfilmungen in einem Miniatur-Fernseher mit zu hohem Farbkontrast angucken und mich von ihr an ihre mütterliche Brust drücken lassen. Und mein leises Fiepen? Ja, das würde sie als Ausdruck von Entzücken deuten und noch ein bisschen fester drücken.
Aber sie meint es ja nur gut.
Somit durchlebe ich jeden Frühling von neuem die Phase mich vor ihr zu verstecken, obwohl sie mich schon längst gefunden hat.
Rosamunde Pilcher vertrage ich nämlich nicht auf nüchternen Magen.
Blog o’ matic
März 24, 2009
Ich schreibe bald wieder, ich versprechs. Möglicherweise auch politisch inkorrekten, emotional irritierenden und Persönlichkeitsoffenlegenden Kram.
Möglicherweise!
Wie auch immer Gisbert zu Knyphausen das macht, aber ich habe noch nie so viele Menschen gesprochen die allesamt in einen Künstler verliebt waren und Kinder von ihm haben wollten nach dem sie auf einem Konzert waren. Somit war ich nicht die Einzige in meiner kleinen egozentrierten Welt die sich so persönlich angesprochen fühlte von dem was er sagte und sang. Eine von sehr, sehr Vielen. Und irgendwie hatte jeder das Gefühl, und sagte zu sich selbst, dass er mit seinen Texten ganz genau MICH meint, MICH oder irgendjemanden anderen den ich gut kenne. Ja, der Gisbert, der versteht schon was vom Leben und Lieben und der produktiven Melancholie. Und überhaupt kenne ich das Gefühl nur zu gut, weil ich bin ja andauernd in irgendwelche Musiker verliebt, oder Menschen die Bilder malen, oder wunderbare Geschichten schreiben, weil ich dann für einen Moment den Eindruck gewinne, dass da noch jemand anderes ist der mein Innerstes besingen, bemalen oder beschreiben kann. Aber das darf dann nur mir so gehen, weil wenn da zu viele Andere sind die denken was ich denke und fühlen was ich fühle, dann verliert es seine Exklusivität und den traurigen Schimmer von Zweisamkeit. Denn diese ganzen bunten Schatten verschwommener Ideen die sich Hoffnung schimpfen, finden nur in zwei geteilten Seelen platz.
Wer will schon Mehrsamkeit.
Dein Hirn, mein Herz, wird dadurch auch nicht leichter.
Februar 13, 2009
Manchmal ist das Bewusstsein darüber, dass sich immer alles wiederholt, von neuem anfängt und auch wieder aufhört, so präsent, dass es nur noch paralysiert.
Letztendlich fällt auch mir dann nichts anderes mehr ein als noch mehr Nichts ins Nichts zu starren und meine Sabberfäden davon abzuhalten meine Klamotten zu ruinieren.
Neue Erkenntnisse sind meist auch nur alte Bekannte mit falschem Schnurrbart und Agentenverkleidung aus der Mickymaus.
Aber ich freu mich immer wieder, wenn sie vorbei kommen und ein Bier mit mir trinken, oder auch zwei. Denn sie erzählen mir von Orten an denen man nicht mehr den ganzen Tag auf mausgrauen Sofas herumliegt und sich selbst zitiert, sondern ein paar neue Bekannte trifft, mit falscher Brille und Trenchcoat, die einem irgendwie bekannt vorkommen.
Bis das Licht angeht.